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3 Gesellschaft, Bevölkerung, Soziales
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| Systematik: | ID-Archiv id-e-315 |
| | Status: | Changed | | Checked: | 03-03-02 04:54:26 PM |
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| | Selbstdarstellung: | | Museutopia© Denkmodelle der Zukunft Exposé für eine Ausstellung zum 100jährigen Bestehen der Folkwang-Idee Karl Ernst Osthaus-Museum Hagen Juli /November 2002 Idee: Michael Fehr Konzept: Michael Fehr und Thomas W. Rieger Zusammenfassung Vor dem Hintergrund der Folkwang-Idee, die als ein großer, ästhetisch-künstlerischer Gegenentwurf zu den Sozialutopien des 19. Jahrhunderts begriffen wird, fragt die Ausstellung Museutopia© nach konstruktiven Visionen für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Sie sollen in der Ausstellung als dreidimensionale Entwürfe zur Anschauung gebracht und in einer 'permanenten Konferenz' zwischen ihren Autoren, dem Publikum und Experten analysiert und diskutiert werden. Die Ausstellung wird diesen Diskurs durch ihre spezielle Architektur anregen, durch ein in sie integriertes Veranstaltungsprogramm fördern und in sich abbilden. Museutopia© wird auf diese Weise eine lernende Ausstellung sein. Insoweit versteht sie sich auch als Beitrag zur Entwicklung und Erprobung der spezifischen Darstellungs- und Kommunikationsmöglichkeiten des Museums. Generelles zur Konzeption und zum Aufbau der Ausstellung Die Ausstellung Museutopia© - Denkmodelle der Zukunft nimmt die unter dem Begriff Der Hagener Impuls in die Kunstgeschichte eingegangen Initiativen Karl Ernst Osthaus' zum Anlaß für eine breite Entfaltung der These, daß um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhunderts eine bedeutende Veränderung in der Reflexion der jeweiligen Gegenwart durch das Nachdenken über die Zukunft zu verzeichnen ist. Diese Veränderung war einerseits durch den Rückzug des utopischen Denkens aus Politik und Wissenschaft und das Aufkommen von Anti- oder Negativutopien bestimmt, andererseits aber durch die Tatsache, daß sich zunehmend Künstler mit utopischen Modellen beschäftigten und so vor allem die Kunstmuseen zu den wichtigsten Orten des utopischen Denkens wurden - ohne daß dies je explizit formuliert worden wäre. Die Ausstellung zielt daher darauf ab, dem zeitgenössischen utopischen Denken einen Platz zu geben, indem sie zahlreiche Künstler und andere kreative Entwerfer aus dem internationalen Feld zur Entwicklung ihrer Ideen einladen wird. Museutopia© ist eine Ausstellung von Ideen und Konzeptionen. Ihr wichtigstes Medium ist das Modell. Das Modell erlaubt als künstlich erschaffenes ideelles oder materielles Objekt eine vereinfachte Annäherung an komplizierte Prozesse und die Erfassung, Beschreibung und Visualisierung komplexer Sachverhalte. In den Wissenschaften und Künsten finden praktische und theoretische Modelle seit jeher Anwendung im Prozeß der Erkenntnis und Entdeckung der Wirklichkeit. Die theoretischen Ansätze des Modelldenkens basieren dabei auf formaler Repräsentation und Simulation ebenso wie auf pragmatischen und didaktischen Überlegungen, denn das Modell kann sinnliche und logische Aspekte bei der Abbildung des Wesentlichen in sich vereinen und gerade auch in Bereichen, in denen die Erforschung erschwert oder unmöglich erscheint, wie etwa der Beschreibung der Zukunft, eine Erkenntnisfunktion erfüllen. Mit dem Modellverfahren zitiert die Ausstellung Museutopia© einen klassischen Topos der experimentellen Annäherung an komplizierte Strukturen und Objekte. Allerdings will sie Modelle nicht nur als species dispositionis und modèle imaginatif behandeln, sondern wo immer möglich auch als moduli und exemplares – also als Dinge, die für einen größeren Kontext einstehen können. Die Wahl des Modells als wichtigstem Medium der Ausstellung hat nicht zuletzt einen pragmatischen Gesichtspunkt: Die Präsentation von Entwürfen im Modellmaßstab des erlaubt die Darstellung einer größeren Anzahl von Ideen und Kunstwerken und erleichtert ihren Vergleich. Als Substrat einer umfassenden Konzeption bedarf das Modell der Erklärung und Einordnung. Deshalb stellt die Ausstellung den Dialog zwischen den Autoren der verschiedenen Entwürfe und dem Publikum in den Mittelpunkt. Gegen den aktuellen Trend, Museen zu Massenmedien umzubauen, setzt Museutopia© bewußt auf traditionelle Vermittlungsformen und bietet zu deren Thematisierung und Entfaltung mit dem theatrum sapientiae einen spezifischen Raum. Die Ausstellung entwickelt ihr Thema in sechs Abteilungen, die dem unterschiedlichen Charakter ihrer Argumentation bzw. ihrer Exponate entsprechend verschiedene Darstellungs- und Rezeptionsformen des Museums thematisieren. Diese Abteilungen sind: I. Die Inszenierte Schausammlung II. Das Studiolo III. Das Theatrum sapientiae IV. Das Magazin V. Das Offene Archiv VI. Das Museum Diese Abteilungen werden den Besuchern einerseits als ein Rundgang angeboten, sind andererseits aber auch rückbezüglich organisiert: Inhalte des Magazins und des Offenen Archivs werden Inhalte des theatrum sapientiae und diese wiederum Inhalte des studiolo; Inszenierte Schausammlung und Museum verhalten sich hingegen wie Entwurf und Ausführung, wobei letztere den Entwurf im Sinne einer Retrospektive konkretisiert. Durchgang durch die Ausstellung I. Die Inszenierte Schausammlung Osthaus' umfassender Versuch, aus dem Museum Folkwang heraus in Hagen und an anderen Orten die Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens durch Kunst zu verwirklichen, ist zwar im Großen eine Utopie geblieben, kann jedoch an verschiedenen Fragmenten - Gebäuden, Plänen, Einzelgestaltungen, Beschreibungen und Berichten - abgelesen bzw. aus ihnen rekonstruiert werden. Die Folkwang-Idee wird daher als ein 'erzählendes Diorama' gezeigt, das auf Modellen der von Osthaus errichteten bzw. geplanten Gebäude und Einrichtungen, insbesondere aber der Folkwang-Schule (Entwurf Bruno Taut) aufbaut, durch Text- und Bilddokumente ergänzt wird und durch eine integrierte audiovisuelle Installation zum Besucher spricht. II. Das Studiolo Im studiolo wird die Geschichte des Nachdenkens über die Zukunft und hierbei insbesondere die eingangs skizzierte These zum historischen und gegenwärtigen Stellenwert des utopischen Denkens entfaltet. Das studiolo oder Studierzimmer als historischer Mikrokosmos humanistisch-universeller Gelehrsamkeit repräsentiert seit der Renaissance einen Topos der Produktion und Reproduktion, des Speicherns, Übertragens und Prozessierens von Wissen. Im modernen studiolo findet die Wissensvermittlung mit einem erweiterten Spektrum von Medienformaten statt: als Fenster zur Welt bieten sich Monitore, Bildschirme, Interfaces und Multimedia an. Das Angebot einer vermeintlichen ‘Interaktivität’ der neuen Windows™ zur Welt verharrt jedoch formatgebunden in den Grenzen des medialen Systems. Insoweit nutzt die Ausstellung den Topos des studiolo zu einer kritischen Reflexion der Bedeutung und Potentiale medialer Wissensvermittlung innerhalb des Museums. Darüber hinaus wird das studiolo als Erfahrungsspeicher der Ausstellung dienen. III. Das Theatrum Sapientiae Das theatrum sapientiae wird als eine Synthese von Memorialtheater und Hörsaal konstruiert. Es definiert innerhalb der Ausstellung einen Ort der permanenten Konferenz - der dialogischen Wissensvermittlung und dialektischen Zusammenschau von Zukunftsentwürfen und utopischen Visionen. Das theatrum sapientiae soll die performativen Elemente des Theaters mit den didaktischen Möglichkeiten des Auditoriums und der visuellen Attraktivität und Gelehrsamkeit der Wunderkammern vereinen. Als Beispiele für mythische und archaische Topologien menschlicher Erfindungskraft enthält das theatrum sapientiae von Künstlern und Architekten entworfene Modelle fiktionaler Wissensbilder wie der Arche Noah, dem Garten Eden oder dem Himmlischen Jerusalem, außerdem Modelle der Organisation von Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur wie dem Turmbau zu Babel, der Pyramide, dem Tempel, dem Kloster und dem Kalenderbau. Die klassischen Utopien Nova Atlantis, Civitas Solis und Utopia - wiederum in Form von Modellen - zählen ebenso zur Ausstattung (Requisiten) des theatrums wie das formgewordene Gesellschaftsmodell des Leviathan. Die im theatrum sapientiae ausgestellten Modelle werden den Besuchern komplexe Wissensbilder in anschaulicher Form vermitteln und eine Rekonstruktion utopischen Denkens von der Antike bis in die Gegenwart ermöglichen: im Dialog mit Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern erhalten Besuchergruppen und Einzelbesucher hier die Möglichkeit, ihre Vorstellungen von der Zukunft zu befragen und zu entwickeln, Vorträge über die Objekte und Themen der Ausstellung zu verfolgen, an der Auswahl von Preisträgern des Wettbewerbs zu Denkmodellen der Zukunft mitzuwirken oder auch sich von utopischen Erzählungen der eingeladenen Autoren unterhalten zu lassen. IV. Das Magazin Das Magazin stellt die künstlerischen Visionen für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts im Sinne ihrer jeweils eigenen Logik vor. Das Magazin hat die Form eines Lagers, ist jedoch so angelegt, daß die Besucher ungehinderten Zugang zu den verschiedenen Exponaten sowie den sie begleitenden Materialien haben und sich mit ihnen nach Maßgabe ihrer eigenen Interessen beschäftigen können (Liste der KünstlerInnen, die eingeladen werden sollen, siehe Anlage). V. Das offene Archiv Zur Ausstellung wird ein offener Wettbewerb zu Visionen für das 21. Jahrhundert veranstaltet, dessen Beiträge in einer eigenen Abteilung innerhalb der Ausstellung gezeigt werden. Hier finden auch die Ergebnisse der im Vorfeld geplanten, breiten Zusammenarbeit mit Hagener Schulen und Bildungseinrichtungen ihren Platz, die ihrerseits aus Anlaß der Ausstellung utopische Konzepte reflektieren, entwickeln und zur Darstellungen bringen sollen. V. Das Museum Nach der Idee des Macrocosmos in Microcosmo sollen der Charakter und die Struktur der historischen Osthaus'schen Sammlungen, die neben Moderner Kunst zahlreiche Artefakte aus dem europäischen Mittelalter, der 'naiven' Kunst Südostasiens und Afrikas, Keramik aus China, Japan und Korea sowie zahlreiche Kunstgewerbliche Arbeiten umfaßten, in ausgewählten Beispielen, die das Folkwang Museum Essen aus seinen (ehemals Osthaus'schen) Beständen zur Verfügung stellen will, auf dem Hohenhof, der von Henry van de Velde als Gesamtkunstwerk erbauten Villa für die Familie Osthaus, zur Anschauung gebracht werden. Mit dem Hohenhof kann so eine Utopie - die der Versöhnung von Kunst und Leben - von den Besuchern real erfahren und im Kontext der noch vorhandenen Baudenkmäler am Stirnband bzw. vor dem Hintergrund der in der Abteilung I entfalteten Vision Osthaus' wahrgenommen werden. Procedere - die ‘lernende Ausstellung’ Die im Magazin aufbewahrten Beiträge werden wie die Beiträge zum Offenen Archiv nach einem festen Plan mehrmals während der Ausstellung in das theatrum sapientiae transportiert, wo sie von ihren Autoren und anderen Personen (Wissenschaftler, Autoren, Politiker) vorgestellt und einem Diskurs mit dem Publikum unterworfen werden sollen. Die Ergebnisse dieser Vorstellungen und Diskussionen werden in geeigneter Form im studiolo gespeichert und sind dort für die Besucher abrufbar. Auf diese Weise wird die Ausstellung mit zunehmender Dauer nicht nur um weiteres Material wachsen, sondern ihre Reflexion durch die Besucher in sich selbst abbilden. Mit den Vorbereitungen für die Ausstellung soll noch im Herbst 2000 begonnen werden. Für März 2001 ist in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) ein wissenschaftliches Kolloquium "Utopisches Denken. Thinking Utopia" geplant, für den Frühsommer ein Workshop mit den Künstlern. Im Herbst 2002 soll in Hagen der Wissenschafts-kongress des Wissenschaftszentrum NRW, Essen, zum Thema "Utopisches Denken" stattfinden. Quelle: http://www.utopisches-denken.de/begin.htm |
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