3 Gesellschaft, Bevölkerung, Soziales

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ZfA - Zentrum fuer Antisemitismusforschung

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Adresse: Zentrum für Antisemitismusforschung Technische Universität Berlin Wir sind erreichbar unter (E-Mail) oder schriftlich: Ernst-Reuter-Platz 7 10587 Berlin Tel: 314-23154 Fax: 314-21136


Selbstdarstellung:
Das 1982 gegründete Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin ist die einzige und zentrale Einrichtung ihrer Art in Europa. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die interdisziplinäre Grundlagenforschung zum Antisemitismus, die durch angrenzende Schwerpunkte, deutsch-jüdische Geschichte und Holocaustforschung, ergänzt wird. Das Zentrum für Antisemitismusforschung, das in die akademische Lehre eingebunden ist, versteht sich in hohem Maß auch als eine öffentliche Institution, die weit über den Rahmen eines Universitätsinstituts hinaus Dienstleistungen und Aufklärungsarbeit für die Öffentlichkeit erbringt. Aufgrund seiner langen Existenz und seiner vielfältigen Erscheinungsweisen kann der Antisemitismus als das Paradigma für die Erforschung von sozialen Vorurteilen und Gruppenkonflikten gelten. Mit den gegenwärtigen weltweiten Wanderungsbewegungen und mit der Neuformierung von Gesellschaften mit großen ethnischen Minderheiten in Europa wiederholen sich strukturell viele Konflikte und Problemstellungen, die wir aus der Geschichte des Zusammenlebens von Juden und Nichtjuden kennen. Gerade deshalb kann sich das Zentrum für Antisemitismusforschung nicht auf den engeren Gegenstand beschränken, es versteht sich vielmehr als zentraler Ort für allgemeine und übergreifende Forschungen zu Vorurteil und Diskriminierung, zu allen Formen gewaltsamer Verfolgung von ethnischen Gruppen bis hin zum Völkermord, zu Migrationsprozessen und Minoritätenkonflikten, zur Geschichte diskriminierter Minderheiten, zu ethnozentrischem politischen Extremismus. Der Begriff des Antisemitismus muß deshalb im Sinne einer Forschungsstrategie erweitert werden und die genannten Phänomene einbeziehen. Aktuelle Probleme wie Xenophobie und Rassismus verlangen Antworten, die auf gesicherten Forschungen basieren. Die Öffnung der Grenzen Europas ermöglicht und erfordert es, den Blick nach Osten zu richten, wo alte Vorurteilsstrukturen in aktuellen Krisensituationen neuen Nährboden finden. Probleme der Juden und Judenfeindschaft werden auf Konferenzen des Zentrums thematisiert, die jeweils einem Land gewidmet sind: Lettland (1994), Litauen (1996), Slowakei (1997), Polen (1998), Rumänien (1999). Im September 2000 wird eine Konferenz erstmals über den europäischen Rahmen hinausgehen und sich mit den Feindbildern befassen, die im Zuge des Nahostkonflikts auf arabischer und auf israelischer Seite entstanden sind. Die Beobachtung aktueller Trends im Bewußtsein und im politischen Verhalten der Deutschen Antisemitismus, Fremdenfeindschaft, Extremismus mit empirischen Methoden der Sozialwissenschaft ist ein wichtiger Arbeitsbereich des Zentrums. Auch in Zukunft wird die Holocaustforschung einen wichtigen Platz im Zentrum für Antisemitismusforschung haben. So werden die Ergebnisse des Forschungsvorhabens Solidarität und Hilfe für Juden 1933 1945, in denen es um die Rettungsversuche der nichtjüdischen Bevölkerung im nationalsozialistisch beherrschten Europa geht, in Sammelbänden publiziert, deren dritter mit Regionalstudien über die Niederlande, Dänemark, Weißrußland, Ungarn, Albanien, Portugal und Spanien 1999 erschienen ist. Abgeschlossen sind zwei Dissertationsprojekte zum Forschungsschwerpunkt Osteuropa. Am Beispiel einer provinziellen Industriestadt wurden in einer vergleichenden Untersuchung die Alltagserfahrungen, Verhaltensweisen, die sozialen Positionen und die gegenseitigen Wahrnehmungen der jüdischen und deutschen Minderheiten in Polen vor dem Zweiten Weltkrieg erforscht. Es ergibt sich das Bild eines komplexen Bevölkerungsgefüges mit ethnischen und religiösen sowie ökonomischen und sozialen Gegensätzen in einer Phase dramatischer historischer Veränderungen, die in der Schlußphase in wachsende Isolation und Segregierung der ethnischen Gruppen mündete (Beate Kosmala, vgl. Bd. 28 der Reihe Dokumente, Texte, Materialien). Die zweite Dissertation befaßt sich mit der jüdischen autonomen Provinz Birobidzan in der Sowjetunion und untersucht die Entscheidungsprozesse in der sowjetischen Führung sowie den Verlauf und den letztlichen Mißerfolg des Siedlungsprojekts (Antje Kuchenbecker, vgl. den 2000 erschienenen Bd. 32 der Reihe Dokumente, Texte, Materialien). Ende 1998 kam ein literaturwissenschaftliches Forschungsprojekt zu seinem Abschluß, das die Wanderungen des Ewigen Juden durch die verschiedenen literarischen Gattungen zum Gegenstand hatte. Anhand von Einzellektüren verschiedener Werke der literarischen Phantastik (Goethe, Hoffmann, Potocki, Maturin, Meyrink, Perutz und Szittya) versucht die Arbeit, die kongenialen Übersetzungen, die manch eine Gattung für die in der Legende festgeschriebenen Attribute des Ewigen Juden bereithielt, zu analysieren. Hier wurde der ruhelose Wanderer zum sinnreich motivierten Baustein einer Wundergeschichte und in der Instanz des Unverständlichen poetisiert (Mona Körte, vgl. Bd. 6 der Schriftenreihe des Zentrums für Antisemitismusforschung). Soeben abgeschlossen wurde das seit August 1996 laufende Forschungsprojekt Berliner Anwälte in der Zeit des Nationalsozialismus, das vom Berliner Anwaltsverein finanziert wurde. Ziel war es, eine Dokumentation und Darstellung des politischen Verhaltens der Berliner Anwaltschaft im nationalsozialistischen Staat (Indifferenz, Anpassung, Resistenz) zu verfassen. Insbesondere wurde die Haltung der Juristen angesichts der Zerstörung des Rechtsstaats und gegenüber der Diskriminierung von Minderheiten erforscht und dargestellt. Mit der Rettung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland befaßt sich seit 1997 ein Forschungsprojekt, das auf eine Initiative des Vereins Gegen Vergessen für Demokratie zurückgeht und gefördert wird durch die Robert Bosch-Stiftung und die Alfried-Krupp-von- Bohlen-und-Halbach-Stiftung. Ziel ist die möglichst vollständige Erfassung aller Rettungsbemühungen in Deutschland in den Grenzen von 1937 während der Jahre 1933 bis 1945 mit genauer Beschreibung der Umstände und der Namen der beteiligten Personen in einer Datenbank. Neuland im Bereich der deutsch-jüdischen Geschichte wird beschritten im Vorhaben, Periodika in jiddischer Sprache, die im 20. Jahrhundert in Berlin erschienen sind, zu dokumentieren und zu analysieren. Gegenstand eines soziologischen Forschungsvorhabens sind Pogrome gegen Juden und andere Minderheiten im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts. In einem zeitlichen Längsschnitt und in einem geographischen Querschnitt sollen Entstehungsbedingungen, Verlaufsformen und Wirkungen dieser spezifischen Form einseitiger, nichtstaatlicher kollektiver Gewalt in komparativer Perspektive analysiert werden. Ein Buch zum Thema mit dem Titel Exclusionary Violence. Antisemitic Riots in Modern German History (hrsg. von Christhard Hoffmann, Werner Bergmann und Helmut W. Smith) ist bei der University of Michigan Press in Vorbereitung. Ein Habilitationsprojekt widmet sich den Vorläufern der Protokolle der Weisen von Zion vom 14. bis zum 18. Jahrhundert. Dabei geht es um frühe Ausprägungen eines zentralen Moments judenfeindlichen Denkens, das in den Protokollen nur seinen am weitesten verbreiteten Ausdruck fand: den Theorien zur jüdischen Weltverschwörung. Ziel der Untersuchung ist die Ermittlung von Entstehungszusammenhängen solcher Legenden. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, seit wann die Vorstellung von jüdischer Verschwörung als eigenwirksames Denkmodell abseits situativer Anbindungen faßbar ist. Mit teils historischen, teils aktuellen Fällen von staatlicher Diskriminierung beschäftigen sich zwei 1998 begonnene Forschungsprojekte. Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt untersucht die Lebenssituation von bosnischen Romaflüchtlingen in Berlin, die in einer Situation der Furcht vor Abschiebung zwischen Flucht und Repatriierung leben. In dem von der Volkswagenstiftung geförderten Projekt Fremde im eigenen Land geht es um die staatliche Ausgrenzung der indianischen Bevölkerungsmehrheit in der Republik Bolivien zwischen 1825 und 1952/53. Im April 2000 begann ein von der DFG gefördertes Forschungsprojekt zum Deutschsprachigen Musiker-Exil in Australien, dessen Gegenstand alle deutschsprachigen Komponisten, Musiker und Musikwissenschaftler sind, die als Flüchtlinge oder Deportierte zwischen 1933 und 1945 auf der Flucht aus Hitler-Deutschland in Australien eintrafen. Das Projekt wird am Zentrum in Kooperation mit dem Institut für Musikwissenschaft der TU Berlin und dem Förderverein musica reanimata durchgeführt. Die Fritz-Thyssen-Stifung unterstützt das Projekt Wolfgang Steinitz (1905-1967): Jude, Bildungsbürger, Wissenschaftler, Kommunist, das die Biographie des Wissenschaftlers Steinitz im Kontext der europäischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts, des Exils in der UdSSR, dem Nachexil in der DDR und der ostdeutschen Akademie- und Universitätsgeschichte erforschen wird. Im Wintersemester 1999/ 2000 war der Historiker Dr. Brewster Chamberlin vom Holocaust Memorial Museum Washington Gast am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Dieser Lehr- und Forschungsaufenthalt eines renommierten Holocaust-Wissenschaftlers wurde im Sommersemester 2000 mit dem früheren Leiter des Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism und Professors an der Hebräischen Universität Jerusalem, Yehuda Bauer, fortgesetzt. Im Wintersemester 2000/2001 ist Hagen Fleischer, der Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Athen lehrt, Gastprofessor am Zentrum für Antisemitismusforschung. Ermöglicht werden die Aufenthalte angesehener ausländischer Wissenschaftler am Zentrum für Antisemitismusforschung im Rahmen eines Drei-Jahres-Programms zum Thema Vom Vorurteil zum Völkermord durch die finanzielle Unterstützung der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der HypoVereinsbank. Quelle: http://130.149.134.79/zfa-info.htm